27. April 2009

Ansonsten warten wir gespannt auf die nächste grundlegende Reform

Ein neuer Bildungsbericht der EU, so schreibt der CHE-Newsletter, kommt zu dem Schluss, dass bei der Verwirklichung der Bologna–Reformen gute, wenn auch ungleichmäßige (?) Fortschritte erzielt wurden. Präziser ist da die neue Analyse von Martin Winter, HoF Wittenberg, die Chancen, Risiken und Nebenwirkungen des Bologna-Prozesses untersucht. Der Autor zeichnet die Hintergründe, Argumentations- und Entwicklungslinien der Studienreform nach, und stellt dann systematisch dar, wie sich das Studium an Universitäten in den wenigen Jahren verändert hat. Chancen sieht er insbesondere in der Stärkung von Weiterbildung und Teilzeitstudien sowie der Artikulation eigener Vorstellung von Studienangeboten.

Die Liste der Risiken ist ungleich länger und umfasst Etikettenschwindel, Überfrachtung der Studiengänge, Verschulung, Erstarrung und Verfestigung von Inhalten, Niedergang kleiner Fächer, relatives Notensystem usw. Auch die Nebenwirkungen sind nicht ohne. Sehr lesenswert. Zum Schluss der durchgängig angenehm nüchternen Analyse erlaubt sich der Autor dann noch eine kleine sarkastische Anmerkung: "Ansonsten warten wir gespannt auf die nächste grundlegende Reform."

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