Joachim Wedekind greift eine Frage von Jochen Robes auf und berichtet über ein Buch von Eyferth u.a., das ihn persönlich beeinflusst hat. Ähnlich ging es mir mit dem Buch von Stewart Brand: The Media Lab. Inventing the Future at M.I.T.. Ich hatte es bei einem Aufenthalt vor Ort in den USA 1990 gekauft (zur Erinnerung: Es gab damals noch kein Internet und kein Amazon!). Denn ich stand vor der Aufgabe, die Medienlabore und Studios an der Fachhochschule Furtwangen (mit 3,4 Mio € Budget) mit Kollegen zu planen. Stewart Brand zeigte, wohin die Reise ging.
Dabei fand ich einige der beschriebenen Projekte damals eigentlich weniger überzeugend, etwa die "persönliche Zeitung". Das las sich etwa so: Wenn Sie künftig ihren Fernseher einschalten, werden Sie eine auf Ihre Interessen zugeschnittene Zeitung angezeigt bekommen! Aus den Seiten, die Sie zum Lesen ausgewählt haben, lässt sich erkennen, welche Interessen Sie haben und solche Informationen werden Ihnen dann auf Ihrer Startseite präsentiert! Damals war ich skeptisch: BTX lieferte 1990 noch nicht einmal Nachrichten einer einzigen Tageszeitung. Im Ergebnis ist dies jedoch genau das Szenario, wie wir es heute mit Feed-Aggregatoren realisieren.
Beeindruckt an dem Buch hat mich vor allem die Art des Forschens, wie Stewart Brand sie beschrieb: ein "Labor", an dem Forschung interdisziplinär betrieben wird, involviert in visionären Entwicklungsprojekten (s. auch >Bericht). Noch dazu ein attraktiver Ort, mit einem besonderen "Spirit". Das war ein starker Kontrast zu der deutschen Hochschulwelt vor 20 Jahren, wie ich sie erfahren hatte, wo solche Projekte an Hochschulen schwer durchführbar schienen und man sich als Bildungswissenschaftler regelmässig Vorwürfen aussetzte, wenn man der Technik "zu nahe" kam. (Natürlich habe ich später auch die Kritik an der inhaltlichen Arbeit des MediaLab zur Kenntniss genommen.)
Festgesetzt hat sich bei mir der Begriff "Labor" - als ein bestimmter ("gestaltungsorientierter") Zugang zu Forschung. Später las ich - im Zusammenhang mit Dewey - den Begriff Laborschule. Heute betreiben wir das Duisburg Learning Lab, an dem Online- und FTF- Studienangebote konzipiert und realisiert werden, und an dem ein Team von 20 - 25 Mitarbeitenden Forschungsvorhaben betreuen, mit Gästen aus dem In- und Ausland. Wir sehen uns - auch - als ein Dienstleister für Interne und Externe und mit der LearningLab GmbhH haben wir einen Spin-Off zu verzeichnen, der einige Meter weiter im Technologiezentrum angesiedelt ist. Wenn ich zurückblicke, ein weiter Weg.
Es geht mir allerdings ähnlich wie Joachim Wedekind: das Buch ist verschollen, ausgeliehen an einen Studenten, und leider nie zurückerhalten.



2 Kommentare:
hallo Michael, dieses Buch habe ich auch noch im Regal, in der deutschen Übersetzung als Taschenbuch - nicht ausgeliehen ;-) Da sind dann so schöne Kapitelüberschriften zu finden wie " "Ein Zimmer, das über Ihre Witze lacht". Ich finde ja, den "Spirit" findet man auch heute noch bei etlichen Projekten des Media Lab.
Gruß, Joachim
BTW: und jetzt wechselt das MediaLab auch noch zu
Drupal :-)
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