5. Juni 2009

Die Liebe zur TU

Jochen Robes verweist auf einen Artikel von Don Tapscott über das "Ende der (alten) Universität":
    "Universities are finally losing their monopoly on higher learning, as the web inexorably becomes the dominant infrastructure for knowledge sweeney .."

Die "alte" Universität arbeite nach dem Motto: "The teacher is the transmitter and student is a receptor in the learning process." Durch das Web wird, so Tapscott, dieses Monopol nun aufgebrochen, infrage gestellt usw. usw.

SO überzeugt mich das nicht. Das Zerrbild der "alten" Universität zu zeichnen, ist konzeptuell und empirisch einfach nicht zutreffend. Dass nun "durch das Internet" Hochschule anders würde, möchte ich einfach einmal infrage stellen und das Gegenteil behaupten: Haben wir nicht in den letzten Jahren erkannt, dass Veränderung an Hochschulen ein komplexer Prozess des "Change Management" ist?

Es gibt - aus meiner Sicht - ganz andere, recht fundamentale "Herausforderungen" und Baustellen im Hochschulwesen. Und eine davon können wir dieses Mal und heute in Stuttgart besichtigen. Da möchte die Hochschulleitung geistes- und sozialwissenschaftliche Professuren in die Natur- und Ingenieurwissenschaften umwidmen und am liebsten das Lehramtsstudium aufgeben.

Diese "Liebe zur TU" können wir in den letzten Jahren an veschiedenen Stellen beobachten. Doch wen wundert's: Da fordert man Strategiefähigkeit von Hochschulen, implementiert Anreiz- und Steuerungssyteme, und wundert sich, dass Hochschulen genau dieser Logik entsprechend handeln. Denn in der neuen Belohnungssystematik der Finanzierung von Hochschulen durch die Länder sind Geistes- und Sozialwissenschaften vergleichsweise "riskant" und das Lehramt, das "lohnt" - in dieser Logik ! - für eine Hochschule kaum. Es bindet Kapazität, die in der Regel "nicht hinreichend parameterwirksam" wird. Insofern hat das Rektorat in Stuttgart "rational" gehandelt, allerdings kann ich mir kaum vorstellen, dass sich dies politisch durchsetzen lässt. Das Problem sitzt aber tiefer ...

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Du bist optimistisch, wenn du glaubst, dass sich die steilen Vorlagen politisch nicht durchsetzen ließen. Ich habe eher die Befüruchtung, dass das den politischen Erwratungen entspricht. Es stellt sich nur die Frage, was man machen kann. Inzwischen mehren sich ja die Stimmen, die zu einer Diagnose der aktuellen Probleme beitragen. Meine Sorge ist, dass wir vor lauter Diagnosen dringend notwendige Lösungen vernachlässigen und gelähmt die Entwicklungen verfolgen, ohne schlaue Ideen, wie man egstaltend eingreifen kann.

Gabi

mkerres hat gesagt…

und siehe da: Die Uni Stuttgart macht einen Rückzieher:

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/campus/988080/

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