(1) Folien als Zusammenfassung: Folien beinhalten eine Zusammenfassung aller Aussagen eines Vortrages und sind damit eine Hilfe für Referenten und für Studierende und vor allem: eine gute Basis zur Nachbereitung.
Der Referent checkt beim Vortrag regelmäßig die Präsentationsfläche und steht im Winkel von etwa 45% zur Leinwand, um den Blick des Publikums von sich weg auf den Text der Folie zu lenken.
(2) Folien zur Supplantation (s. Salomon): Folien dienen der Strukturierung und dem Aufbau mentaler Modelle des Zuhörers während des Vortrags und beinhalten deswegen vor allem grafische / visuelle Informationen und Schlagworte.
Der Referent steht direkt neben der Leinwand vis-a-vis in Front gegenüber dem Publikum, um den Blick auf sich zu lenken.
Die universitäre Erfahrungswelt (Vorbilder von Profs. etc.) und sogar Schulungen zum Powerpoint-Einsatz, wie ich erfahren habe, legen offensichtlich den ersten Ansatz nahe: Studierende werden darauf trainiert, sich NICHT in Front zum Publikum zu stellen, ALLE Aussagen auf Folien zu schreiben usw. Meine Studenten schienen überrascht, dass ich - mit Verweis auf Dual Code / Cognitive Load Theory - so eindeutig den zweiten Ansatz präferiere.
Jetzt verstehe ich, warum Stud. es komisch finden, dass ich sie bitte, nach vorne zu kommen, um ihre Beiträge vorzustellen, und das Publikum "anzuschauen". Jetzt verstehe ich auch, warum sie mit meinen Ppt-Dateien (manchmal) "unglücklich" sind, weil diese nämlich keine vollständige Zusammenfassung aller Aussagen beinhalten, und sich manchmal gar nicht ordentlich ausdrucken lassen.
Erstaunlich: Es gibt m.E. wenige, derart eindeutige Befunde in der Kognitionspsychologie, wonach das gleichzeitige Vorlesen von bildlich präsentierten textuellen Informationen wenig günstig ist. Selbst in der populären Netzwelt finden sich die Studien erläutert und es gibt Videos, die diese Fehler beschreiben. Ich will gar nicht behaupten, ich würde diesen (oder andere) Fehler bei Präsentationen nicht machen. Mir erscheint es vielmehr wichtig, diese Frage in Veranstaltungen öfters anzusprechen und sein eigenes Verhalten zu reflektieren.



5 Kommentare:
Ich finde es gar nicht so erstaunlich, funktionieren doch viele Vorträge (gerade auch von Professoren) in Lehrveranstaltungen und selbst auf (medienaffinen) wissenschaftlichen Tagungen genau auf diese Art. Ich habe gerade am Montag wieder einen Vortrag von einem Didaktik-Professor gehört, dessen Folien nach dem Motto gestaltet waren: mehr ist besser. Und am besten noch schön bunt. Solange Studierende mit solchen Foliensätzen sozialisiert werden, werden sie auch kaum andere Ziele mit Präsentationen verbinden.
Ich möchte in diesem Zusammenhang einmal http://prezi.com empfehlen. Das ist ein Zooming Presentator. Hier steht das visuelle im Vordergrund. Sehr interessantes Konzept.
.. klar, allerdings scheint mir die Frage einer "guten" Präsentation nicht wirklich vom Tool abzuhängen :-)
Alle drei Varianten der Präsentation wurden von mir "praktiziert" (total Überladen, zusammenfassend und strukturierend). Zum Einen ist es für den Referenten wichtig, in welchem Zusammenhang die Präsentationsfolien eingesetzt werden. In meinen Anfängen war die überladene Form häufig der Fall und Foliensätze mit über 100 Folien fast normal. Nun man lernt dazu. Irgendwann hatt ich selbst keine Lust mehr diese Massen vorzutragen. Bei Studenten nutze ich eher die Zusammenfassung. Dabei werden die Folien gern von den Studenten angefordert. Nicht aber um sich Notizen zu mache, sondern um sich dann zurückzuklehnen. Man hat ja das Komprimat des Wissens und "wäre" so auf eventuelle Prüfungen vorbereitet. Meist existieren bei solchen Vorträgen Literaturhinweise oder speziell ausgearbeitete Skripte oder Handouts.
In der beruflichen Weiterbildung sind es eher die Folien der Kategorie Aufbau mentaler Modelle. Mittlerweile haben meine Vorträge mit Folien eine Länge von 45 Minuten. Die technischen Raffinessen einer z.B. PowerPoint Präsentation wie Folienübergänge oder Animationschemata, setze ich spärlich ein. Der Inhalt soll das Komnprimat sein.
In welchem Winkel ich persönlich zu den Zuhörern stehe, habe ich noch nicht so direkt wahrgenommen. Das wird jedoch an dem Klientel meiner Zuhörer liegen. Wenn man seine Laufbahn mit der Ausbildung von Gehörlosen beginnt, so stellt man sich als Referent meist sogar vor die Folien oder in den ausgeleuchtete Raum.
Wie es zu den überladenen Folien kommen kann, ist der Tatsache geschuldet, dass man als Referet die Folien zur Unterstützung nutzt. Welche meine gesprochenen Worte nehme ich auf die Folie? Was weis der Zuhörer?
Was ich persönlich von einem Folienserstellenden erwarte, sind Abbildung die auch zu erkennen sind und keine "reinkopierten pixelüberladenen Fremdbilder".
Ich plage mich schon seit den Anfängen von PPT damit, meinen Schülern klarzumachen, dass es nicht Sinn der Sache ist, möglichst viel auf die Folien zu packen und das dann für ein Publikum herunterzubeten. Es kommt dann regelmässig der Einwand, dass sie es bei Referenten immer so sehen! Ein probates Mittel ist dann die Vorführung von konträren Beispielen- "Death by Powerpoint" und Präsentationen, die mit wenigen guten grafischen Elementen auskommen. Da gibt es sehr schöne Beispiele auf Slideshare. Das geht dann immer solange gut, bis ein Kollege wieder "Textfolien" verlangt oder selbst vorstellt... Es ist leider in der Tat so, dass man bei Fachtagungen immer wieder durch die Hölle der PPT "Vorlesungen" muss, wobei sich die Referenten regelmässig in der Textlastigkeit überbieten und ihre Folien dann eben nicht nur vorlesen, sondern schon den ganzen Text auf der jeweiligen Folie freigeben... der Zuhörer wird dann automatisch zum Leser und der "Vorleser" eigentlich überflüssig, zumal er oft auch noch prüfend auf die Leinwand hinter sich schaut, ob denn da nun auch das gleiche wie auf seinem Bildschirm zu sehen ist ...
Dies ist übrigens auch mit der Grund für den schlechten Ruf von PowerPoint Präsentationen. Also: KISS = keep it short and simple! Hauptdarsteller ist der Redner und nicht die Folie!Und da ist es in der tat egal, welches Werkzeug man benutzt, ob PPT, Prezo oder sogar MindMap..
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