13. Juni 2009

Web 2.0 für heterarchische Organisationen


Am 8./9. Juni fand in Berlin eine Fachtagung  des BMBF unter dem Label eQualification statt, auf der sich eine ganze Reihe von  Projekten des BMBF vorstellten, wir waren mit dem Projekt Web 2.0 im Handwerk vertreten.  Eine gute Möglichkeit also, einen Einblick in die aktuelle Diskussion und Förderpolitik des BMBF zu erhalten. 

Zunächst fällt auf, dass Schul- und Hochschulentwicklung nicht (mehr) im Fokus der Förderpolitik stehen, eine Folge des bekannten (und allseits beklagten) Förderalismus-Kompromiss vor einigen Jahren. Heute geht es also vielmehr um berufliche und betriebliche Aus- und Weiterbildung in den verschiedenen Facetten. Dabei geht es nicht mehr um Pilot-Vorhaben einzelner Unternehmen oder -sverbünde, sondern z.B. um "die Pflege", "das Handwerk", "die Kirche", die Förderung der Lernortkooperation im dualen System etc. 

Eine Gemeinsamkeit erscheint mir die komplexe, "heterarchische" Struktur der zugrundeliegenden Organisationen: Anders als in traditionell, eher hierarchisch strukturierten Unternehmen liegen hier ganz andere Formen der Kommunikation, und damit der Meinungs- und Entscheidungsfindung vor. Insofern sind die genannten Kontexte auch besonders interessant für "Web 2.0-Projekte", da sich hier das Potenzial von Web 2.0 untersuchen lässt, wie laterale Kommunikation und organisationale Partizipation in solch heterarchischen Strukturen gefördert und nutzbar gemacht werden können. 

Ich denke, dies ist auch ein interessantes Feld für Forschungsfragen. In den letzten Jahren war ein wichtiger Themenbereich der Diskussion in der Mediendidaktik / Wissensmanagement: das Change Management, die Einführung und nachhaltige Verankerung von neuen Lern- und Kommunikationsformen in (Bildungs-) Organisationen. Die Diskussion hat sich dabei regelmässig auf eher traditionell strukturierte Unternehmen bezogen sowie auf die Institution Hochschule mit ihren bereits relativ komplexen Organisationsmerkmalen. Wie funktioniert aber nun die Einführung von E-Learning, Web 2.0 und neuen Kommunikationsformen in Sektoren, die wesentlich "diffuser" organisiert sind? Gerade Web 2.0 bietet für diese Institutionen ganz andere Möglichkeiten, mit ihren "Mitgliedern" zu kommunizieren, individuelle und organisationale Lernprozesse zu initialisieren und zu institutionalisieren. 


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