In den letzten Monaten habe ich viele Bewerbungen in Händen gehabt. Ich bin dabei oft überrascht, wie stark meine Erwartung an die Form einer Bewerbung abweicht von dem, was mir vorliegt. Deswegen ein paar Gedanken, die als Anregung für Bewerbungen an Unis - oder zumindest: am Duisburg Learning Lab - vielleicht hilfreich sein können.
- Viele Bewerbungen sind optisch aufwändig und umfangreich. Doch die wirklich wesentichen Information finde ich oft nicht sofort. Dabei zählen bei der ersten Auswahlentscheidung für mich: Fakten. In kurer Zeit entscheidet sich, auf welchen Stapel eine Bewerbung kommt. Deswegen sollte eine Bewerbung knapp, übersichtlich und sachlich gestaltet sein, aber bestimmt nicht "über-designed".
- Anschreiben: Die allermeisten Anschreiben sind mir zu lang und sehr bemüht formuliert. In vielen erkennt man Floskeln der Ratgeberliteratur. Vielleicht 15 Zeilen würden mir reichen. Mir wären hier am liebsten ganz unkreative Formulierungen: "hiermit bewerbe ich mich .. Zur Zeit bin ich , davor habe ich , ich würde mich freuen .. weil ... ".
- Lebenslauf: Die Daten am besten zeitlich rückwärts auflisten, um schnell zu sehen, was Sie derzeit machen, und was Sie davor gemacht haben. Nennen Sie alle relevanten Tätigkeiten, die zur Stelle passen. Führerschein, Judo und Parteiengagement interessieren hier nicht.
- Foto: Ihr Aussehen spielt für mich keine Rolle. In manchen Ländern werden Bewerbungen mit Fotos bereits sofort zurückgeschickt. Deswegen höchstens ein kleines "unkreatives" Foto einmontieren.
- Sie haben Interesse an EdTech? Dann weisen Sie es am besten durch Fakten nach: Sie haben bestimmt eine Homepage, einen Blog oder Microblog, vielleicht ein E-Portfolio? (oder nicht? alles leider eben doch selten der Fall ... ) Schicken Sie einfach URLs und/oder Screenshots von Medienproduktionen.
- Sie haben Interesse an wiss. Arbeiten? Auch hier überzeugen Fakten: Sie haben Ihre Diplom- oder Masterarbeit einmal auf einer Tagung oder einem Kolloquium eingereicht oder vorgetragen. Sie haben eine Kurzfassung Ihrer Arbeit in einer Zeitschrift veröffentlicht oder zumindest eingereicht (das: gerne als Anlage zur Bewerbung). Sie haben wiss. Tagungen besucht, sind Mitglied einer Fachgesellschaft ... Fakten einfach auflisten.
- Sie können (und sollten) sich gerne per Email bewerben (, wenn es in der Ausschreibung steht). Teure Mappen, Umschläge usw. sind unnötig und lästig (für einen Rückversand). Einfach ein PDF schicken, mit gescanten Dokumenten, vielleicht sogar mit eingebetteten URLs, das wäre super!
- Und dann noch ein Tipp: Wenn Sie wirklich Interesse an einem Job an der Uni haben, können Sie sich darauf gut im Vorfeld einstellen. Lesen Sie wiss. Zeitschriften und besuchen Sie bereits während des Studiums wiss. Fachtagungen. Man freut sich über interessierte Studierende und wird ihnen in der Regel Rabatt gewähren. Sie können nachfragen, ob Sie ggfs. als "student volunteer" mitarbeiten können, dann haben Sie schnell Kontakt zu den Organisatoren. Versuchen Sie ausfindig zu machen, was sind "die" aktuellen Fragen, Probleme, Theorien, Autor/innen. Schauen Sie sich deren Webseiten an, ihre Projekte, Publikationen, Themen, Anwendungen, Argumente, Schlagworte. So stellen Sie sich auf das Bewerbungsgespräch mental gut ein.
Danke.



3 Kommentare:
Danke für diese Hinweise. Sie sind sicherlich sehr hilfreich.
Ich habe mal einen Beitrag von Eszter Hargittai übersetzt und zusammengefasst, der in dieselbe Richtung geht und sich mit dem selben Thema beschäftigt.
http://marcwitzel.blogspot.com/2008/06/homepages-sind-wichtig-fr-akademiker.html
Lieber Herr Kerres,
vielen Dank für diesen Beitrag. Ich finde es äusserst hilfreich solche Informationen im Vorfeld einer Bewerbung zu haben.
Würde sich jemand bei mir bewerben fände ich Informationen zu Tätigkeiten abseits des Kerns (Führerschein, Judo, ...) sehr interessant und ich habe auch den Eindruck, dass sich in diesen Bereichen oft Qualifikationen verbergen zur Einstellung führen können und den beruflichen Erfolg maßgeblich beeinflussen können. Jedenfalls würde ich behaupten in meiner beruflichen Tätigkeit sehr oft von Tätigkeiten im Freizeitbereich profitiert zu haben.
Ich habe übrigens gestern erst einen Artikel zum Thema "Universitäres Bewerbermanagement" geschrieben.
Vielleicht ist das für Sie und Ihre Leser auch interessant.
Grüße aus Hamburg,
Ralf Appelt
@appelt
Danke für die Rückmeldung! wg. privaten Aktivitäten / Erfahrungen in der Bewerbung: Vor allem wichtig wäre mir, dass diese - wenn überhaupt berichtet - klar abgegrenzt und weiter am Ende der Bewerbung stehen. Diese Infos dürfen die wesentlichen Fakten nicht "verdecken".
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