11. Januar 2010

Ohne mich?

Stell' dir vor, es ist "Akkreditierung" - und keiner geht hin. Der Deutsche Hochschulverband fordert seine 25.000 Mitglieder - zumeist Professor/innen - an Hochschulen auf, sich künftig nicht mehr an Akkreditierungsverfahren für Studiengänge zu beteiligen. Ich finde die Aktion durchaus nachdenkswert.

Momentan bin ich als Gutachter in zwei Verfahren - national bzw. international - involviert. Warum? Nun, der Gutachter sieht von den ca. 12-15.000 Euro nur (vielleicht) 100 - 150 Euro Aufwandsentschädigung. Warum dann? Wenn es sich um einen fachlich affinen Studiengang handelt, bei dem ich die verantwortlichen Kolleg/innen näher kenne und schätze, fällt es schwer abzusagen. Da sich bereits heute nur wenige Kollegen bereit erklären mitzuwirken, werden manche Kollegen immer wieder eingesetzt. Immer wieder hört man von Verfahren, bei dem fachfremde Kollegen als Gutachter tätig werden. Es werden - natürlich - auch persönliche Vorstellungen von Wissenschaft sichtbar, und es wird letztlich auch Wissenschaftspolitik auf hohem Niveau betrieben. Denn das Verdikt des Gutachtens ist letztlich bindend, um eine Akkreditierung zu erhalten.

Ich habe Respekt vor der Leistung von Kollegen, die sich in der Regel mehrere Jahre hinweg die Planung eines Studiengangs betrieben haben unter zumeist restriktiven Bedingungen. Ich nehme den Vor-Ort Besuch primär als Gelegenheit wahr, um mit den Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen. Der Prozess dient aus meiner Sicht auch der Selbstvergewisserung, und für Qualitätsentwicklung ist ein externer Blick wichtig. So war das Akkredtierungsverfahren für unseren weiterbildenen Online-Studiengang Educational Media hilfreich (allerdings, für einen solch kleinen Studiengang wie EduMedia, im Ganzen EXTREM aufwändig).

In den deutschen Akkreditierungsverfahren - und das wäre MEINE Kritik - fließen jedoch Qualitätsentwicklungsprozess (ok), Prüfung formaler Mindesstandards - die m.E. vielfach eher vage beschrieben sind und im Grunde nicht von Prof. begutachtet werden müssten - , Prüfung der praktischen Studierbarkeit - auch ein vager Begriff - und Prüfung einer "fachlichen Qualität" (oh je) ineinander, ohne dass diese unterschiedlichen Ansprüche und die impliziten Konflikte je präzise reflektiert werden bzw. worden sind.

Darüber hinaus bin ich in diesem Semester für die efmd als Auditor tätig. Die efmd zertifiziert weltweit Ausbildungsgänge im Bereich "Management Education" und hat dabei auch einen speziellen Fokus auf Online-Programme. Für mich bietet sich hierbei die Chance, weltweit etwas über Universitäten zu lernen. Letztlich eine Art Aktionsforschung zur Frage, wie funktioniert (Online-) Lehre in verschiedenen kulturellen Settings und was können wir daraus lernen.

Das Auditing bei der emfd orientiert sich an klar definierten Kriterienkatalogen, die selbst einer wissenschaftlichen Analyse, empirischen Prüfung und ständigen Reflexion unterzogen werden. Sie liegen vollständig offen, es lässt sich damit Verständigung über die Kriterien erzielen. Und der Auditor unterzieht sich einem längeren Training. Als Ganzes also ein durchaus interessanter Lernprozess - für Alle.

3 Kommentare:

Debora Weber-Wulff hat gesagt…

Ja schon - wir haben bei der Vorbereitung unsere Re-Akkreditierungsunterlagen ein sehr fruchbares Gespräch über unsere Schwundquote.

Aber meine Güte, was KOSTET das?!?

Wir sind auch ein kleiner Studiengang. Und wir haben den "Fehler" gemacht, weitere kleine Studiengänge in's Leben zu rufen, welche, die gleich viele BewerberInnen fanden.

Daher habe ich kaum Zeit, an meine Lehre zu arbeiten. Ich habe kaum Zeit, weitere Maßnahmen zu ergreifen. Ich komme nicht mal dazu, nach unseren Umzug in Oktober meine Sachen einigermassen zu ordnen.

Ich sammle Daten zu Fuß. Ich formatiere Dateien. Ich denke mir noch schöne Beschreibungen aus.

Für das Geld hätten wir mit allen Kollegen 5-6 andere Hochschulen besuchen, um Inspiration zu holen; Hätten wir viele Tutoren bezahlen können; Hätten wir so viel anderes machen können.

Ich furchte, wir können es nicht in kleinen Zügen ändern. In so fern ist der Aufruf der DHV vielleicht nicht verkehrt.

So, und nun zurück zu meiner Unterlagen....

Gabi Reinmann hat gesagt…

Ich begrüße den Aufruf des DHV in jedem Fall! Er kommt nur ein bisschen spät, finde ich! Ich hab mal nachgeschaut: in meinem Blog habe ich schon vor knapp einem Jahr darüber nachgedacht, dass da was nicht stimmen kann. (leider kann ich hier grad keinen Link reinkopieren)

Gabi

mkerres hat gesagt…

Ich habe allerdings den Eindruck, dass der Aufruf des DHV irgendwie keine richtige Resonanz gefunden hat .. er würde ja nur helfen, wenn eine wirklich substantielle Zahlk von Kollegen sich weigern mitzumachen.

Kommentar veröffentlichen

Vielen Dank für Ihre Anmerkungen oder Kommentare! Sie werden nach Freischaltung durch einen Administrator veröffentlicht.