Es war zu erwarten: iPad Revolutionizes Online Continuing Education . Wie langweilig: Die Geräte erneuern sich, die Revolutionsrethorik bleibt. Täusche ich mich, oder werden Hyphe-Zyklen immer kürzer, (fast) zu kurz für wissenschaftliche "Produktionszyklen"? Wer will noch über Forschung zu Podcasts lesen, wo doch die Öffentlichkeit "angesichts der Popularität des iPad" (Textzitat!) (ähm, das Gerät ist noch gar nicht erhältlich...) gierig auf Aussagen zu Vorteilen des neuen Tablets wartet.
Der Mediendidaktik bleibt, solche Entwicklungen eher aus einer Meta-Perspektive zu kommentieren und auf die mittlerweile existierenden "Grundkonstanten" des "Lernen mit Medien" zu verweisen: Auf die stets wieder kehrenden Hyphe-Zyklen, auf den Irrtum, Medien wären "als solches" bereits Lösungen für didaktische Probleme, auf die Notwendigkeit der "didaktischen Transformation" von Lernangeboten, auf die Notwendigkeit mediendidaktischer Analyse und Planung, die Wichtigkeit, personale Betreuung und mediale Angebote zu verzahnen ...
Immerhin liefert mir der Text eine schöne, mögliche :-) Klausuraufgabe für das nächste Semester:
Frage: Warum könnte man die folgende Werbeaussage aus Sicht der Mediendidaktik als irreführend bezeichnen?
"This makes the iPad an out-of-the-box educational solution for both end users and content providers."



4 Kommentare:
Wie recht du hast. Die Steigerung liegt inzwischen darin (wie du richtig bemerkst), dass die Produkte noch gar nicht da sind und schon "Revolutionizes ... Education" postuliert wird. Ähnlich: Google Waves noch nicht fertig bzw. unklar mit welcher Funktionalität es als Produkt erscheinen wird und schon gibt es Paper "Waves in Education".
Aber auch in unseren engeren Community ist diese Rhetorik ja nicht ganz unbekannt. Peter (Baumgartner) hat ja (vor ca. 5 Jahren) auch davon gesprochen, dass "Weblogs will revolutionize education" ... naja
Mir scheint, dass der Verfasser des Artikels bei so viel uberschwänglichem Vorauslob entweder auf der Gehaltsliste von Apple steht oder einer der sogenannten Apple fanboys ist, die kritiklos jedes neue Produkt von Apple frenetisch bejubeln. In Developer-Fachkreisen wird seit Jobs' Präsentation eifrig über das iPad diskutiert. Aber auch als Nicht-Techie sollte man sich vor Augen halten, dass das iPad keinen USB-Anschluss und keine eingebaute Kamera hat, kein Multitasking erlaubt (also kann immer nur eine Anwendung geöffnet sein) und keinerlei Browserplugins erlaubt sind, also kein Flash, kein Java usw. Wenn man nun bedenkt, dass doch die eine oder andere e-learning-Anwendung in Flash erstellt wurde, dann werden einigen Benutzern schon schnell die Grenzen des iPad für das e-learning bewusst werden.
Ja, und letztlich scheint mir das "einfache Netbook" perspektivisch das zukunftsträchtigere Gerät für (hoch-) schulische Lernzwecke.
Na ja, klappern gehört zum Handwerk, denke ich. Erstaunlich ist es aber doch immer wieder, wie diese Phrasen ebenso dankbar wie unreflektiert aufgenommen und im Web perpetuiert werden. Vielleicht kommt ja doch mal der "iDidact" mit eingebautem Didaktik-Tool... ;-))
Die Hoffnung stirbt bekanntlich ja zuletzt.
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