Kommen wir zum deutschen CHE-Ranking: Zerknirscht haben wir in U Duisburg-Essen das neue CHE-Ranking zur Erziehungswissenschaft zur Kenntniss genommen. Es macht mich (und andere) einfach vollkommmen ratlos. Wir können uns schlechterdings den "Abrutsch" nicht erklären. Vor ZWEI Jahren hatte die Uni - gerade in den Forschungsparametern (s. Forschungsranking) - recht gut abgeschnitten.
Die UDE ist in der Bewertung der Studierenden - im Vergleich zur Bewertung von Studierenden anderer Universitäten - in vier von fünf Parametern abgerutscht bei ...
- Bibliotheksausstattung: Unsere Universität hat in den letzten Jahren mehrere Mio. (!) Euro in Studienliteratur (aus Studienbeiträgen) investiert. Es gibt m.W. im weitem Umfeld keine UB, die derartig viele Expemplare von Lehrwerken für Stud. vorhält. Die UB bietet mit ihrem "digitalen Semesterapparat" einen zuverlässigen und bei Stud. beliebten Service an. Es wurden ca. 150 neue PC für Studierende in der UB installiert. Es liegen umfangreiche Kundenbefragungen (bei 30.000 Stud.) vor, die eine gute bis sehr gute Leistung der UB attestieren.
- IT-Infrastruktur: Auf dem Campus Essen wurde letztes Jahr eine zusätzliche PC-Hall mit weiteren 200 PC eingerichtet. Der Campus ist fast komplett und zuverlässig mit WLAN versorgt. Die Ausstattung von Hörsälen mit Beamern ist - gerade im Vergleich mit anderen Unis - hervorragend, das Rechenzentrum betreut die Beamer und wartet diese ständig. Mail, Webspace, Groupware, Wiki .. alles da. Auch hier: Kundenbefragungen bei 30.000 Stud. zeigen eine durchaus positive Einschätzung, mit konrekten Hinweisen für Verbesserungsmöglichkeiten.
- Betreuung durch Lehrende: Die Universität hat beschlossen ein hochschulweites Mentoring-System einzuführen. Bereits heute liegen spezielle 1:1-Mentoring Linien vor, etwa für Stud. mit Migrationshintergrund, begabte Frauen, jetzt beginnt ein Mentoring für "Bildungsaufsteiger". Die Fakultät Bildungswissenschaften hat mehrere hauptamtliche Studiengangsbetreuer/innen eingestellt sowie eine ganze Reihe von zusätzlichen Lektor/innen, die sich intensiv und alleine in der Lehre um die Betreuung der Stud. kümmern. Unsere Lehrevaluation, die an der Fakultät regelmässig mit mehreren tausend Studierenden durchgeführt wird, zeigt einzelne Schwierigkeiten auf. Insgesamt zeigt sie, dass die Studierenden mit dem Angebit sehr zufrieden sind, und auch die Forschungs- wie Praxisnähe schätzen. Ganz anders im CHE-Ranking, wo wir in all diesen Parametern "absaufen".
- Studiensituation insgesamt: Ja, die Studiensituation insgesamt ist wirklich noch nicht besonders attraktiv - die Räume und der Campus sind keine Schönheit. Ein Verschlechterung kann ich jedenfalls nicht erkennen. Auch hier wurden in den letzten 2-3 Jahren bereits deutliche Anstrenungen unternommen. Für die Master-Stud. findet die Lehre etwa seit 2 Semestern in einem ganz neuen und modernen, angemieteten Bürogebäude neben dem Campus statt - eine ganz andere Welt als das Studieren in den vielfach renovierungsbedürftigen Seminarräumen "auf" dem Hauptcampus in Essen.
Forschungsparameter: Wir haben an der Fakultät statt 34,2 Tausend € pro Jahr an Drittmitteln nur noch 28,1 Tausend € pro Wissenschaftler/in eingenommen und sind auch damit abgerutscht. Unser Lehrstuhl / das Duisburg Learning Lab wirbt - vom gesamten Forschungsbudget der ca. 30 Professuren der Fakultät - regelmässig ein Drittel dieses Forschungsbudgets von Außen ein. Dabei sind die Einwerbungen des Duisburg Learning Lab in beiden letzten Jahren konstant um jeweils mehr als 20% gestiegen. Im Resultat ein unbefriedigendes Ergebnis.
Ich will damit zeigen: Diese Erhebungen werden innerhalb der Universität, von Lehrenden und Verantwortlichen ernsthaft durchgearbeitet, um Hinweise für Verbesserungen zu erhalten. Die Ergebnisse wären relativ zu interpretieren und müssten heissen: Auch wenn ihr euch enorm angestrengt habt, die Studiensituation zu verbessern, die anderen Unis waren einfach besser. Dennoch, so ratlos war ich bei dem Versuch der Interpretation von Daten und dem Abgleich mit "meiner Realität" selten. Bleibt die Frage, ob auch hier möglicherweise kleine Stichproben (oder andere Artefakte?) für solche "erratischen" Ergebnisse verantwortlich sind?



4 Kommentare:
Neben den Stichproben sollten man auch mal generell die Problematik von Befragungen etwas mehr reflektieren: Augen auf und beobachten - damit wäre uns oft mehr geholfen. Non-reaktive Daten statt diese ewigen Fragereien, die vor allem Befindlichkeiten deutlich machen. Gezielt fragen - ja, aber alles über Befragungen erheben und die Ergebnisse dann auf eine Goldwaage legen - nein! Es ist wichtig, die von dir dargestellten Inkonsistenzen transparent zu machen, auf die oft schlechten Fragen und Skalen hinzuweisen, auf Fehler in der Stichprobenwahl und darauf, dass man manches besser anders feststellt als durch Fragebögen. Schlimm ist, dass man sich am Ende kaum dagegen wehren kann: Ein Blogbeitrag gegen das CHE-Ranking, das überall verbreitet wird, das ist natürlich leider ein ungleicher Kampf. Vielleicht sollte man anfangen, Gegendarstellungen in der ZEIT zu schreiben?
Gabi
>> nach Rücksprache mit Kollegen Ziegele veröffentliche ich hiermit folgende E-Mail: >>>
Sehr geehrter Herr Kerres,
eine Mitarbeiterin hat mich auf die Diskussion zum CHE Ranking in Ihrem Blog hingewiesen (CHE macht ratlos). In der Tat ist die drastische Veränderung in den Erziehungswissenschaften an Ihrer Hochschule uns auch aufgefallen, zumal so große und klare Veränderungen im CHE Ranking äußerst selten sind!
Wir haben in die Daten geschaut: 2007 wurden 404 Studierende angeschrieben, 42 antworteten, die Urteile liegen meist in der Spitzengruppe, 2010 wurden 541 angeschrieben, 72 antworteten, die Urteile liegen fast alle in der Schlussgruppe. An zu kleinen Fallzahlen damals oder heute scheint es mir nicht zu liegen. Zudem werten die Studierenden nicht durchgehend schlecht, es gibt einzelne Items die durchaus gut wegkommen, allerdings in der Masse untergehen. Insofern finde ich als Außenstehender auch keine Erklärung. Wie können wir dem Phänomen weiter nachgehen?
Das CHE bemüht sich, das methodisch beste Ranking der Welt zu machen, insofern sind solche Ergebnisse ggf. der willkommene Hinweis auf methodische Verbesserungspotenziale, die ich aber im Augenblick noch nicht sehe. Sollen wir mit den Erziehungswissenschaften zusammen der Sache nachgehen? Die Detailauswertungen hat Ihre Uni übrigens von uns erhalten.
Mit freundlichen Grüßen
Frank Ziegele
Prof. Dr. Frank Ziegele
CHE Gemeinnütziges Centrum für Hochschulentwicklung GmbH
Geschäftsführer
Verler Straße 6
D-33332 Gütersloh
Tel.: + 49 (0) 5241-976124
Fax: + 49 (0) 5241-9761624
mailto:frank.ziegele@che-concept.de
http://www.che.de
siehe hierzu auch den klugen Artikel des renommierten Ökonomie-Professors Alfred Kieser in der F.A.Z.!
@Gabi Reinmann: Danke für deine Rückmeldung. Sie ermutigt, dass das "öffentlich Machen" solcher - unangenehmer - Themen richtig ist. Eine weitere Ermutigung auch die E-Mail von:
@Frank Ziegele: Danke für die Aufmerksamkeit - und den Hinweis auf die Detailauswertung, ich werden sie mir ansehen, um zu sehen, ob hier weiterer Aufschluss möglich ist. Interessant fand ich auch Ihren Hinweis gerade - in unserem Telefonat - , dass mindestens 15 Studierende eines Fachs an der Befragung antworten müssen, damit die Durchschnittswerte einer Uni im Ranking gelistet werden und wir insofern - mit (zwar weiterhin nur) 42 bzw. 72 Antworten - deutlich über diesem Kriterium liegen.
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