28. Dezember 2011

No Mail today

Keine E-Mails zu Weihnachten bei VW! Wie schnell sich die  Zeiten ändern. Gerade noch war "Jederzeit & Überall erreichbar" angesagt. Und jetzt erkennen wir, wie sehr der Internet-Konsum sich auch gegen uns richten kann. Wie sehr er die Aufmerksamkeit segmentiert und verhindert, dass wir uns konzentrieren oder entspannen. Die Mailserver von VW liefern deswegen Emails am Abend nicht mehr aus. Einerseits eine interessante, kluge Entscheidung. Andererseits zeigt es, dass hier etwas Grundlegenderes falsch läuft: Wieso reagieren alle diese Mitarbeiter abends und nachts auf ihre Emails, wo sie doch ausser Dienst sind? Wieso kann man das Problem nur in den Griff kriegen, indem man die Emails erst gar nicht ausliefert? Sollte es nicht klar sein, dass man Emails nachts nicht liest? Technisch würde ich mir übrigens eine Funktion wünschen, mit der sich einstellen lässt, wann eine Email ausgeliefert wird.  Ja, ich möchte gar nicht, dass mein Gegenüber meint, mir direkt antworten zu sollen.

In einem Interview in DIE ZEIT mit dem  Vorstandsvorsitzenden der Post, Herr Appel, der dort als "post-heroisch" beschrieben wird, lese ich: "E-Mail findet fast gar nicht statt. Damit kann man einen Konzern nicht führen." Faszinierend. Fast unwirklich, wie aus einer anderen Welt, möchte man meinen. Vielleicht die Erkenntnis einer post-heroischen Führungskraft, vielleicht auch einfach Führung, die die Implikationen der digitalen Medien reflektiert.

In meiner Internet-Pause habe ich mir angewöhnt, E-Mails sehr verlangsamt zu konsumieren. Mein Ziel ist es, deutlich weniger per E-Mail zu kommunizieren. Ich habe meine Stud. gebeten, Fragen in den wöchentlichen Präsenzterminen der Lehrveranstaltungen anzusprechen, und mir hierzu möglichst keine Emails - oft schon Minuten nach  Ende der Veranstaltung - per Email zuzusenden, die dann in, oft wenig ergiebigen online "Dialogen" enden, die sich über Tage hinweg ziehen können. Ich mache mir kleine Zettel, was ich mit Mitarbeitern besprechen möchte. Selten müssen Dinge sofort geklärt werden, selten erwarte ich sofortige Rückmeldungen. Selten können komplizierte Themen per Email geklärt werden.


20. Dezember 2011

meldet sich zurück!

Fast ein halbes Jahr habe ich meinen Internet-Konsum auf das Nötigste reduziert, vor allem um endlich die Neuauflage des Buches Multi- und telemediale Lernumgebungen fertig zu stellen. Mehrere Jahre hatte ich vergeblich Anlauf genommen. Erst nachdem sich meine Arbeitsweise  geändert hat, schrieb sich das Buch, fast von selbst, zuende. Was für eine gute, fast schon vergessene Erfahrung, Tage ganz konzentriert (auch ohne die vielen Aufmerksamkeitszerstörer) zu arbeiten. Nun darf ich - vor dem großen Fest - die Fassung dem kritischen Augen des Lektorates übergeben ...

Mehrere Kollegen haben im Review mit Anmerkungen geholfen. Und Joachim Wedekind hat ja sogar schon das Literaturverzeichnis einer früheren Fassung des Buches ausgewertet :-) Das Buch wird übrigens einfach Mediendidaktik mit einem Untertitel "Konzeption und Entwicklung mediengestützter Lernangebote" heissen. Die über 550 Seiten starke 3. Auflage ist komplett überarbeitet und wird stärker den Charakter eines Lehrbuchs haben. Mehr als zuvor versucht das Buch eine Brücke zwischen der deutschsprachigen Didaktik und der internationalen Sicht von Instructional Design zu schlagen. Ebenfalls noch prägnanter soll die Idee einer gestaltungsorientierten Bildungswissenschaft sichtbar werden.

Manchmal hatte ich den Eindruck: Ist das (noch) ein Buch über Mediendidaktik im engeren Sinne? Oder nicht einfach ein Buch über die Planung von Bildungsangeboten - freilich mit all den uns zur Verfügung stehenden, eben auch medialen, Optionen? Muss man Didiktik heute nicht eigentlich als Mediendidaktik und Mediendidaktik eigentlich als eine Didaktik betreiben, die sich mit der Anregung von Lernprozessen in komplexen Arrangements umfassend beschäftigt? Wie auch immer, ein Meilenstein ist getan. Ich melde mich zurück, und werde gerne noch ein paar Erkenntnisse zu  dem erfolgreichen Selbst- Experiment "Internet-Pause" berichten.



8. Juli 2011

Google Plus 4 LMS

Wissenschaftliche Arbeit kommt in manchen Feldern der Entwicklung in der Lebenswelt kaum hinterher. Gerade eben wurde Google Plus veröffentlicht. Google Plus unterliegt die Idee, dass sich Kommunikation in der Regel auf bestimmte Menschen und soziale Gruppen bezieht und deswegen Nachrichten in Circles organisiert; ein Merkmal, das andere soziale Netzwerke (twitter oder facebook) in dieser Weise nicht systematisch berücksichtigt haben.

In dieser knappen Form könnte man auch unsere Überlegungen zur Organisation von Kommunikation auf sozialen Lernplattformen zusammenfassen. Der Artikel Modellierung sozialer Kommunikation in Social Software und Lernplattformen von Tobias Hölterhof & Michael Kerres wird demnächst im Tagungsband der Jahrestagung der GI Informatik schafft Communities im Herbst veröffentlicht. Dabei analysieren wir die Kommunikationsstrukturen in Facebook und Moodle und erläutern dann die alternative Idee zur Modellierung sozialer Kommunikation auf dem online campus next generation, mit dem wir unsere Online- Master betreiben. Auf vielen Seiten beschreiben wir die Idee und die Umsetzung. Die Gutachter hatten einige Rückfragen, die wir im Text versucht haben weiter zu beantworten. Heute könnte man das Ganze viel einfacher erklären: Die Lernplattform funktioniert so wie Google Plus. Dumm nur, dass Wissenschaft (manchmal) so langsam ist.